Neue Webseite ab 1. Mai 2011

Die neue Webseite von Anti-Gewalttraining ist online. Die neue Form soll Interessierten die Möglichkeit des Dialogs durch das Hinterlassen von Kommentaren ermöglichen.

Neues Ausbildungskonzept SAGT

Neues Ausbildungskonzept SAGT wird vorgestellt - Informationsflyer online zum Download.
Termine auf der Seite "Ausbildungskurse"

Training

Neue Trainingsform entwickelt

Es war nun an der Zeit, nicht nur die Trainingsform des Anti-Aggressivitäts-Trainings(C) oder des Coolness-Trainings(C) zu verändern oder anzupassen, sondern auch endlich die Hauptakteure hinter den Probanden, nämlich die Eltern, anzusprechen und mit in die Verantwortung zu nehmen. Schon seit Jahren denke ich über ein umfassendes , systemisches Arbeiten, wie ich es aus anderen Bezügen bereits kenne und auch praktiziere,nach.

Jetzt ist es soweit……..

Ich habe das erste systemische Anti-Gewalt-Training/ SAGT(C) entwickelt und per gesetzlichem Copyright schützen lassen. Es beinhaltet die Arbeit mit den Trainingsteilnehmern und bietet in Ergänzung ein multikulturelles Elterntraining, welches die Erziehungsberechtigten der Trainingsteilnehmer, teilweise zusammen mit diesen, umsetzen. Bei sekundär motivierten Eltern ist auch eine aufsuchende Trainingsunterstützung möglich. Im Einzelfall wird auch ein Übersetzer gestellt.

Besonders wichtig ist mir, dass die ausgebildeten Trainer/innen lernen, sich von den Ausbildungsinhalten zu lösen, wenn sie bei den Trainingsteilnehmern/innen Zugänge finden. Ein gerne gemachter Fehler ist die strikte Umsetzung von Ausbildungsplänen ohne Berücksichtigung der eigentlich wichtigen Themen innerhalb einer Gruppe. Dies ist sicherlich ein Anfängerfehler.

Hier nun ein kurzes Beispiel aus der Praxis: Ein Trainerteam bereitet im Rahmen eines sozialen Kompetenz Trainings eine Kooperationsübung in der Sporthalle vor. Vielen ist diese Übung als “Heißer Draht” bekannt. In dieser Übung müssen alle TN den ca. 1.50 m hohen Draht überwinden, ohne diesen zu berühren.

Nach der Erklärung der Durchführung durch das Trainerteam beginnt die Gruppe. Die Gruppe besteht aus 13-15 jährigen, gemischtgeschlechtlichen Hauptschülern/innen. Einige Jungen mit Status übernehmen sofort lauthals das Kommando und agieren ohne Absprache. Leisere Schüler/innen werden hektisch aufgefordert, sich leicht zu machen, damit sie über den Draht geworfen werden können. Mädchen wollen sich nicht anfassen lassen und setzen sich an den Rand. Ein übergewichtiger Junge wird unter dem Gejohle der Gruppe über die Leine gekippt und verletzt sich leicht. Letztendlich gelangen alle über die Leine, bis auf drei bis vier Schüler/innen, die die Übung nicht mitgemacht haben. In derAuswertung erklären die Trainer, was sie gesehen haben und geben einige Hinweise. Dann schellt es und die Gruppe löst sich auf und sucht die nächsten Kursräume auf.

Neben der Tatsache, dass jede erlebnispädagogische Übung Zeit braucht (Vorbereitung, Erklärung, Nachbereitung-Reflektion), war diese Übung für einige Kinder mit Sicherheit eine Überforderung, die Angst und Stress auslöst. Nicht umsonst nehmen viele Kinder ihr Sportzeug nicht mehr mit und schreiben lieber lange Texte, damit sie sich im Sportunterricht nicht irgendeine Blöße geben müssen. Die statusbeladenen Mädchen und Jungs machen dann in diesen Übungen genau das, was sie immer machen (deshalb ist das auch im Resumée gut aufgreifbar). Sie legen ohne nachzudenken einfach los, reden mit niemandem, fragen keinen um Rat, oft auf Kosten von statusunterlegenenen Außenseitern und klatschen am Lautesten, wenn sich jemand verletzt.

Die Übung ist nur die Lupe, mit der die Übungsleiter sich die Gruppe anschauen und auf Verhaltensprobleme aufmerksam machen. Kommunikation untereinander, Verhalten in der Gruppe, Gruppenkohäsion, Empathiefähigkeit sind nur einige wenige Punkte, die dann in der Auswertung besprochen werden. Hierbei ist es wichtig, dass die Übungsleiter genug Durchsetzungsfähigkeit besitzen, um sich den zentralen Fragen, auch gegen den Gruppendruck der Statusüberlegenen zu behaupten und einen konstruktiven Arbeitsauftrag für die nächsten Wochen formulieren. Oberster Auftrag ist der Schutz und die Unterstützung der vermeindlich Schwächeren, damit sie im Verlauf des Trainings lernen sich selbst zu behaupten………

09.03.11  Sandvoß