Neue Trainingsform entwickelt
Es war nun an der Zeit, nicht nur die Trainingsform des Anti-Aggressivitäts-Trainings(C) oder des Coolness-Trainings(C) zu verändern oder anzupassen, sondern auch endlich die Hauptakteure hinter den Probanden, nämlich die Eltern, anzusprechen und mit in die Verantwortung zu nehmen. Schon seit Jahren denke ich über ein umfassendes , systemisches Arbeiten, wie ich es aus anderen Bezügen bereits kenne und auch praktiziere,nach.
Jetzt ist es soweit……..
Ich habe das erste systemische Anti-Gewalt-Training/ SAGT(C) entwickelt und per gesetzlichem Copyright schützen lassen. Es beinhaltet die Arbeit mit den Trainingsteilnehmern und bietet in Ergänzung ein multikulturelles Elterntraining, welches die Erziehungsberechtigten der Trainingsteilnehmer, teilweise zusammen mit diesen, umsetzen. Bei sekundär motivierten Eltern ist auch eine aufsuchende Trainingsunterstützung möglich. Im Einzelfall wird auch ein Übersetzer gestellt.
Besonders wichtig ist mir, dass die ausgebildeten Trainer/innen lernen, sich von den Ausbildungsinhalten zu lösen, wenn sie bei den Trainingsteilnehmern/innen Zugänge finden. Ein gerne gemachter Fehler ist die strikte Umsetzung von Ausbildungsplänen ohne Berücksichtigung der eigentlich wichtigen Themen innerhalb einer Gruppe. Dies ist sicherlich ein Anfängerfehler.
Hier nun ein kurzes Beispiel aus der Praxis: Ein Trainerteam bereitet im Rahmen eines sozialen Kompetenz Trainings eine Kooperationsübung in der Sporthalle vor. Vielen ist diese Übung als “Heißer Draht” bekannt. In dieser Übung müssen alle TN den ca. 1.50 m hohen Draht überwinden, ohne diesen zu berühren.
Nach der Erklärung der Durchführung durch das Trainerteam beginnt die Gruppe. Die Gruppe besteht aus 13-15 jährigen, gemischtgeschlechtlichen Hauptschülern/innen. Einige Jungen mit Status übernehmen sofort lauthals das Kommando und agieren ohne Absprache. Leisere Schüler/innen werden hektisch aufgefordert, sich leicht zu machen, damit sie über den Draht geworfen werden können. Mädchen wollen sich nicht anfassen lassen und setzen sich an den Rand. Ein übergewichtiger Junge wird unter dem Gejohle der Gruppe über die Leine gekippt und verletzt sich leicht. Letztendlich gelangen alle über die Leine, bis auf drei bis vier Schüler/innen, die die Übung nicht mitgemacht haben. In derAuswertung erklären die Trainer, was sie gesehen haben und geben einige Hinweise. Dann schellt es und die Gruppe löst sich auf und sucht die nächsten Kursräume auf.
Neben der Tatsache, dass jede erlebnispädagogische Übung Zeit braucht (Vorbereitung, Erklärung, Nachbereitung-Reflektion), war diese Übung für einige Kinder mit Sicherheit eine Überforderung, die Angst und Stress auslöst. Nicht umsonst nehmen viele Kinder ihr Sportzeug nicht mehr mit und schreiben lieber lange Texte, damit sie sich im Sportunterricht nicht irgendeine Blöße geben müssen. Die statusbeladenen Mädchen und Jungs machen dann in diesen Übungen genau das, was sie immer machen (deshalb ist das auch im Resumée gut aufgreifbar). Sie legen ohne nachzudenken einfach los, reden mit niemandem, fragen keinen um Rat, oft auf Kosten von statusunterlegenenen Außenseitern und klatschen am Lautesten, wenn sich jemand verletzt.
Die Übung ist nur die Lupe, mit der die Übungsleiter sich die Gruppe anschauen und auf Verhaltensprobleme aufmerksam machen. Kommunikation untereinander, Verhalten in der Gruppe, Gruppenkohäsion, Empathiefähigkeit sind nur einige wenige Punkte, die dann in der Auswertung besprochen werden. Hierbei ist es wichtig, dass die Übungsleiter genug Durchsetzungsfähigkeit besitzen, um sich den zentralen Fragen, auch gegen den Gruppendruck der Statusüberlegenen zu behaupten und einen konstruktiven Arbeitsauftrag für die nächsten Wochen formulieren. Oberster Auftrag ist der Schutz und die Unterstützung der vermeindlich Schwächeren, damit sie im Verlauf des Trainings lernen sich selbst zu behaupten………
09.03.11 Sandvoß
Gewaltprävention in Zeiten von Super-Nanny und böse Mädchen-Camps
Mehr als einmal bekam ich als Trainer die Offerte von RTL2 oder Pro7 an einer Filmproduktion mitzuarbeiten. Anfänglich fühlte ich mich auch noch geschmeichelt, weil die Produktionsassistenten gut in der Lage waren mir zu erklären, wie einzigartig und gut meine Arbeit doch sei, und dass ich genau der Coach bin, den sie lange gesucht haben. Nach Rücksprache mit anderen Trainer stellte sich schnell heraus, dass dieser Standarttext flächendeckend genutzt wird. Auf die Frage, welches Konzept verfolgt wird, wird schnell klar, dass es immer um das gleiche Konzept geht:
Böses Mädchen oder böser Junge, mit naiven oder selbst aggressiven Eltern trifft auf Coach,(gerne schön groß und schön streng) der den lieben Kleinen Benehmen beibringt. Das Prinzip lautet: ” Große Wirkung nach kurzer Kraftanstrengung.” Hierzu wird dann gerne eine Psychologin mitgebucht, die dem Ganzen einen seriösen Anstrich vermitteln soll. Gerne werden dann auch bekannte Größen(Türsteher, Exkampfsportler) angeheuert, die dann im Stile amerikanischer Bootcamps den Auftrag haben, den”Früchtchen” wieder Benehmen beizubringen. Die angefragten Trainer haben keinerlei Einfluß auf das Geschehen und unterschreiben, dass sie ihre Persönlichkeitsrechte innerhalb dieser Produktion abtreten. Es darf also wild drauflos gedreht werden , ohne dass du dich gegen eine spätere Ausstrahlung wehren kannst. Ein mir namentlich bekannter Trainer wollte damals schnell berühmt werden und hat selbst bei zahlreichen Castings vorgesprochen und ist dann beim “Camp der bösen Mädchen gelandet”. Dass die Mädchen aber bereits einen Trainer vor laufender Kamera verschlissen hatten, war ihm nicht bekannt und wurde erst klar, als ihm das Gleiche passierte. Diesen Filmbeitrag gibt es heute noch bei Youtube. Das Trainergehalt ist minimal. Die Protagonisten erhalten ebenfalls ein Gehalt und freie Kost und Logis. Viele Mädchen hoffen darauf berühmt zu werden. Leider ist dieser Wunsch nie in Erfüllung gegangen. Ganz im Gegenteil, denn viele Mädchen werden noch heute über unterschiedliche Foren im Internet verhöhnt.
Für mich gehört pädagogische Arbeit nicht ins Fernsehen. Der Schaden, der in diesen zweifelhaften Sendungen angerichtet wird ist hoch. Zusätzlich wird der Bedarf Rechtskonservativer bedient, die sich immer schon mehr Strenge und gerne auch die Prügelstrafe gewünscht haben. Viel schlimmer ist aber der Schaden, den die beteiligten Mädchen nehmen. Sie überschauen noch nicht, dass Sie sich dem Gespött eines Millionenpublikums aussetzen. Und das für eine lange Zeit…….
22.02.11 Andreas Sandvoß
Qualitätsstandards in der Ausbildung
Wenn es auch den meisten Ausbildungsteilnehmern/innen nicht gefällt, so hört es doch zu einer fundierten Ausbildung:
Die Abfrage der methodischen Inhalte, sowie die Präsentation von 5- 10 minütigen Vorträgen im Plenum. Wir bereiten unsere Auszubildenden darauf vor zu referieren. Was wäre peinlicher, als ein zusammenhangloses Gestammel oder die Wiedergabe von falschen Inhalten. Deshalb müssen alle Teilnehmer/innen mindestens drei Fachbücher zur Thematik gelesen und verstanden haben.Zusätzlich müssen alle TN ihr Wissen und ihre Fertigkeiten vor Publikum und Anleitern präsentieren. Die folgende konstruktive Kritik ist teil der konfrontativen Pädagogik, die auf Wachstum und Kooperation zählt.
Jeder Ausbildungsteilnehmer muss 5 Fragen zur Thematik beantworten können, wie z.B.
- Wie ist die Entstehungsgeschichte der KP?
- Welche Methoden werden umgesetzt?
- Welche Methoden und Inhalte werden im Coolness-Training(C) umgesetzt?
- Nenne 2 Grundnormen der KP?
- Beschreibe die Phasen des Anti-Gewalt-Trainings?
Jeder TN muss mindestens die Hälfte der Fragen beantworten können, um den Test zu bestehen. Wer durchfällt kann einmal nachschreiben. Wer auch dann nicht informiert genug ist, wird in einem weiteren Kurs nacharbeiten müssen. Diese Nachschulung ist kostenfrei.
Alle TN schreiben während ihrer Ausbildung ein Konzept für die Durchführung eines Trainingsangebotes im präventiven Bereich. Am Ende der Ausbildung wird dieses 20 stündige Konzept umgesetzt und ausgewertet. Hiermit soll erreicht werden, dass alle ausgebildeten Trainer/innen bereits über Praxiserfahrung verfügen, wenn sie den Kurs verlassen. Für die Anleiter bietet sich so die Chance auch die praktischen Umsetzungen zu beobachten und wenn notwendig, einzelne TN zu coachen.
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